Was du über Piercings wissen könntest – Teil zwei

Was du über Piercings wissen könntest – Teil zwei

Lange ist es her, dass ich meinen letzten Blogbeitrag verfasst habe. Aber jetzt ist es soweit. In diesem Teil erzähle ich ein bisschen weiter, was ganz gut zu wissen ist, wenn du dich piercen lassen möchtest oder gepierct bist und es dich einfach interessiert, deine eigenen Erfahrungen bestätigt zu wissen oder zu erweitern. Ich möchte ein paar Antworten auf Fragen geben, die mir regelmäßig gestellt werden. 

Zum Beispiel: „Wann kann ich das Piercing rausnehmen?“ Dann stelle ich gerne die Frage: “Warum möchtest du es denn herausnehmen?“ 

Meist werde ich dann erst etwas komisch angeschaut. Aber es ist ja so, ein Piercing hat den Sinn immer getragen zu werden und nicht nur dann, wenn man Lust darauf hat. Das kann unterschiedliche Gründe haben.

Fangen wir mal beim Ursprung an. Ein Piercing kann einen rituellen Hintergrund haben. Zum Beispiel, dass ein Jugendlicher in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen wurde. Es kann als Zeichen der Standeszugehörigkeit dienen. Aber auch als Trophäe, weil ein Krieger ein besonderes Tier erlegt hat. Dieser „Status“ oder das Erkennungszeichen wird nicht abgelegt. Es kann auch sein, dass es in der jeweiligen Kultur einfach normal ist, dass alle einen Nasenring tragen. Da geht es auch um Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem Volk, einer Kultur. 

Ein essenzieller Grund, ein Piercing immer zu tragen, ist aber der, dass sich der Stichkanal ohne den Schmuck darin, zusammenzieht. Er wird also eng. Es ist dann individuell unterschiedlich, wie sich das Gewebe verhält. Bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen langsamer. Das Gewebe der einen Person ist fester als das der anderen. Einige können den Piercingschmuck einfach nach ein paar Tagen wieder einsetzen. Bei anderen ist das schon nach zehn bis dreißig Minuten sehr schwierig oder unmöglich. Da habe ich viel unterschiedliches erlebt, so dass ich mich nicht zu einer Aussage, wie es sich bei einzelnen Piercings zeitlich verhält, hinreißen lassen kann. Erfahrungsgemäß kann es bei Brustwarzenpiercings schnell sehr unangenehm werden den Schmuck wieder einzusetzen. Deshalb entscheiden sich die meisten dann auch sehr schnell, nicht zu dehnen, sondern lieber neu zu stechen. Wobei sich die Stichkanäle auch wirklich schnell komplett schließen. Hinzu kommt noch die Frage, wie alt das Piercing und man selbst ist. Je höher das Alter des Trägers, desto nachgiebiger (manchmal leider 😉 ) das Bindegewebe. Schleimhautpiercings neigen auch dazu, sich zügig ganz zu verschließen. Obwohl ich auch da schon erstaunliche Ausnahmen kennenlernen durfte. Oft gelingt es mir, Piercings „zu retten“, aber nicht immer. Möchte sich jemand ein Piercing stechen lassen und plant gleich ein, es regelmäßig, weil es gerade nicht gefällt, herauszunehmen und es immer wieder retten zu lassen, rate ich davon ab. Beim Dehnen entstehen Mikrorisse im Gewebe, die dann verheilen müssen. Dehnen ist auch nicht komplett schmerzfrei. Sich und dem Körper diese Prozedur regelmäßig anzutun, halte ich für eine sehr schlechte Idee. Dann wäre es vielleicht schonender, sich einen Satz Fake-Piercings zuzulegen. 

Aber aufgepasst! Ist das Piercing noch frisch oder es besteht eine Verletzung im Stichkanal, kann es auch wieder zuwachsen. Eine Verletzung kann beispielsweise durch Hängenbleiben oder einen Schlag entstehen. Das kann auch schnell mal zu einer Entzündung führen, wenn noch Keime in die kleine Wunde gelangt sind. 

Natürlich gibt es auch Gründe, warum ein Piercing mal herausgenommen werden muss. Einige liste ich hier auf:

Beim Röntgen: Es reicht möglicherweise aus, wenn nur die Piercings, die sich in der zu röntgenden Körperzone befinden, herausgenommen werden. Das muss aber immer mit dem jeweiligen Arzt abgesprochen werden. Aber warum sollen sie raus? Der Schmuck ist auf dem Röntgenbild sichtbar und kann die Aufnahme unbrauchbar machen oder stören, wenn der Schmuck genau die interessante Stelle überdeckt oder einen sogenannten „Schatten“ wirft. Interessant ist, ob, je nachdem was warum sichtbar gemacht werden muss, Schmuck aus Bioplast, Teflon, Bioflex, PTFE oder anderem Kunststoff, während des Röntgens getragen werden darf. 

Im Magnetresonanztomographen, kurz MRT, umgangssprachlich Röhre: Dort besteht, bis auf die Sichtbarkeit des Schmucks, ein ganz anderes Problem. Das Gerät arbeitet mit extrem starken Magnetfeldern, wodurch alles was magnetisch ist, angezogen wird. Ins MRT darf kein BH mit Metallverschluss, Haargummis mit Metallteilen, Elektrogeräte können kaputt gehen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wenn ich in die Röhre muss, setze ich überall Kunststoff ein. Dann muss ich mich nicht stressen, alles schnell ein und auszubauen. Allerdings empfiehlt es sich auch hier wieder zu erfragen, ob an der zu untersuchenden Körperpartie Kunststoffersatz gestattet ist. 

Für eine Operation oder Geburt: Auch hier müssen die Piercings meist komplett herausgenommen werden. Wobei es je nach Klinik oder Praxis sowie Grund und Stelle des Eingriffs starke Unterschiede gibt. Manchmal reicht es auch, wenn ein Piercing abgeklebt wird. Also gilt wieder: kommunizieren. Was darf drinbleiben, was muss in jedem Fall raus, wo darf Ersatz rein? Mit wurden verschiedene Begründungen, warum der Schmuck raus muss genannt. Einer war, dass es sein könnte, dass jemand daran hängenbleibt und /oder es herausreißt. Also die Ärzte, Schwestern oder Pfleger. Weiter wurde gesagt, dass die Gefahr bestünde, dass der Schmuck oder Teile davon, in die Wunde gelangen könnten. Es kann aber auch ganz einfach mit der mangelnden Hygiene zu tun haben. Auch im Fall einer Wiederbelebung mit Strom könnte es zu Störungen oder Verletzungen kommen.

Aber das ist, wie gesagt, sehr unterschiedlich. Ich habe bei Op’s immer alles rausgenommen. Bei Operationen unter Vollnarkose wird intubiert (ein Beatmungsschlauch wird durch den Mund in die Luftröhre eingeführt) und allein schon die Idee, dass dann mein Zungenpiercing an den Instrumenten hängenbleibt… Sehr unschöne Vorstellung. Oder, wenn ich der Operateur wäre, hängen bleibe und eine weitere Wunde damit verursache oder es herausreiße. Das würde ich auch nicht wollen. Also seid kooperativ und seht es den Helfern und Ärzten nach, wenn sie etwas gereizt reagieren. Da gibt es sehr oft viele unnötige Diskussionen. Wobei das auch viel mit Unwissenheit auf beiden Seiten zu tun hat.

In diesem Sinne, Viele Grüße, Eure Miriam

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